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Chronik des Geflügelzuchtverein Mühldorf e.V. gegr. 1873
Es war im Herbst 1873 als einige namhafte Mühldorfer Persönlichkeiten mit ihrem 1. Vorstand Gustav Daxenberger den „Hühnerologischen Verein Mühldorf“ gründeten. Bald entwickelte sich der Verein zu einem der bedeutendsten der Stadt Mühldorf. Liest man in den alten Protokollbüchern möchte man meinen, daß es für Geschäftsleute und Handwerksmeister schon fast Pflicht war Mitglied zu sein. Mit der Gründung verfolgte man das Ziel der Wirtschaftlichkeit und Gesunderhaltung der Hühnerzucht zu dienen um der Bevölkerung ausreichend Geflügelprodukte zu bieten. Gustav Daxenberger führte, um das Ziel zu verwirklichen, mehrere Rassehühner vom Ausland ein. Manuskripte von Vorträgen über die Hühnerhaltung aus den Jahren 1875 und 1876 sind noch erhalten. Bereits im Jahre 1880 hat der Verein vom königlich bayerischen Bezirksamt sein Anerkennungsschreiben erhalten. In unregel- mäßigen Abständen wurden ab 1883- 1943 am Heiligedreikönigstag im Saal des Gasthauses Himmel Geflügelausstellungen veranstaltet. Die Protokollbücher von den Jahren 1889 – 1912 wurden am 19.03.45 beim Bombenangriff auf die Stadt Mühldorf vernichtet. Um die Jahrhundertwende hatte der Verein bereits über 200 Mitglieder. Bei einer Ausstellung im Rathaussaal wurden über 500 Tiere gezeigt. Herrn Daxenberger folgten als Vorstände: Schneller, Hingerl, Schrötter, Lankes und Bittl. Von den Vereinsmitgliedern mußten während des 1. Weltkrieges 41 zum Militär, auch 1. Vorstand Schrötter. Diese Zeit und die Jahre danach herrschte eine große Futtermittelknappheit. Im Jahr 1917 abonnierte der Verein erstmals eine Fachzeitschrift (Süddeutsche Geflügelzeitung). 1921 wurde die Einführung von Clubringen beschlossen. Der Verein nannte sich zu dieser Zeit „Bezirksgeflügel-zuchtverein Mühldorf.“ Die Vereinsschulden am Ende des Jahres 1923 von 36195,- RM wurden vom Vereinskassier ausgeglichen. Am 13.12.24 entschloß sich die Vorstandschaft dem „Club Deutscher Geflügelzüchter Abteilung Bayern“ beizutreten. Am 22.11.27 wurde die Satzung geändert und es konnten ab sofort auch Frauen in die Vorstandschaft gewählt werden. Am 1.03.28 wird Kaspar Huber zum 1. Vorsitzenden gewählt. Erwähnenswert ist ein Vereinsausflug im Jahre 1929 nach Buchbach, laut Protokoll war man mit einer Autokarawane unterwegs. Eine Versammlung im Januar 1930 bei welcher man sich mit den Vorschlägen für die anstehenden Neuwahlen beschäftigte, konnte nicht zu Ende geführt werden, weil sich bei den 16 anwesenden Personen durch die 50 Liter Freibier die Gemüter allmählich zu erhitzen drohten. 1932 wurde Mitglied Alois Hofstetter Preisrichter und vom
06.-08.01.33 wurde im Himmelsaal die „1. Südostbayerische Geflügel- und Taubenausstellung“ durchgeführt. 196 Hühner und 130 Tauben wurden ausgestellt. Im Jahr 1934 wurde der Ringzwang für Ausstellungstiere eingeführt, ein Hühnerring kostete 15 Pfennige und ein Taubenring 10 Pfennige. Die parteipolitischen Veränderungen ab 1933 haben auch im Verein Spuren hinterlassen, die Vorstandschaft wurde neu besetzt, 20 Mitglieder sind vom Verein ausgetreten und der Vereinsname wurde in „Reichsverband der Rassegeflügelzucht Fachschaft 2, Ortsgruppe Mühldorf“ geändert. Bei der 1. Reichsschau in Leipzig mit 20000 Tieren konnte das Mitglied Ratzinger mit 7 Tieren 5 x sg und 1 x sgZ erringen. Auf der Reichsschau in Magdeburg 1936 konnte der selbe Züchter den „Reich-schaftssiegertitel“ erringen. Erfolgreich in diesem Jahr waren auch die Züchter Jakob Ratzinger mit Gimpeltauben, Ferdinand Röder mit Neuenglischen Zwergkämpfern und Franz Buchner mit Italienern beim 4. Weltgeflügelkongreß in Leipzig. Bei der 3. Reichssiegerschau in Berlin konnte Röder mit Engl. Zwergkämpfern den Siegerpokal erringen. 1937 kaufte sich der Verein einen Brutapparat für 150 Eier zum Preis von 75,- RM. Herr Stern wurde 1938 zum 1. Vorsitzenden des Kreisverbandes Oberbayern gewählt. Eine kriegsbedingte Pause hatte der Verein vom 09.03.39 bis zum 27.04.47. Der 27. April 1947 war der Tag des neuen Beginns, Herr Markus Lang wurde zum neuen 1. Vorstand gewählt und am 3./4. Jan. 1948 fand die erste Ausstellung (5. Südostbayerische Geflügel und Taubenausstellung) nach dem 2. Weltkrieg statt. Das 75-jährige Vereinsjubiläum wurde mit einer Ausstellung am 18./19.12.48 gefeiert. Bei der Gründung des Bezirksverbandes Mühldorf am 6.08.50 wird der Schriftführer des Mühldorfer Vereins, Walter Schlegel, zum 1. Vorsitzenden gewählt. Einen Aufschwung erlebte der Verein, als der Bezirksvorsitzende 1953 den Vereinsvorsitz übernahm. Noch im selben wurde bei der Firma Auer in München für 100,- DM ein Tischbanner bestellt. Zum 80-jährigen Vereinsjubiäum enthüllte Fräulein Elly Sondermeier die Tischstandarte. Herr Kaspar Huber erhält als 1. Mitglied die Goldene Bundesehrennadel. Am 09.01.55 wurde die Satzung geändert und der Verein nennt sich ab sofort "„Geflügelzuchtverein Mühldorf e.V. gegr. 1873". 1956 wurde W.Schlegel VBR-Schriftführer und auch Preisrichter. Die Zfr. Hofstetter, Sondermeier, Stockbauer sowie Zfr. Max Reither mit seinen Gimpeltauben stellten auf Bundesdeutschen-Großschauen wiederholt erfolgreich aus. Im Jahre 1965 wurden die Vereins- und Vereinsehrennadeln eingeführt. Beim Brandunglück am 22.07.70 im Anwesen Georg Deißenbeck in Allersheim verbrannte ein Teil des dort vom GZV eingelagerten Käfigmaterials. Wegen überregionaler Verpflichtungen und der späteren Wahl zum 1. Vorsitzenden des Landesverbandes Bayern, gab Schlegel nach 19 Jahren 1972 den Vereinsvorsitz ab. Von 1972 – 1976 führte Josef Laggerbauer, als 1. Vorstand den Verein. Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war zum 100-jährigen Vereinsjubiläum die Bezirksschau am 17./18. Nov. 1973 in der Eberweinhalle unter dem Ausstellungsleiter Thomas Gruber. 1812 Nummern wurden ausgestellt, beim Züchterabend spielten die Waginger Buam. 1976 löste Zfr. Gruber den bisherigen 1. Vorstand ab und behielt in den nächsten 15 Jahren das Ruder fest in der Hand. Unter seiner Führung erwarb der GZV von der Straßenmeisterei eine Käfighalle die kurzzeitig auf DB-Grund aufgebaut und später ihren endgültigen Platz unweit der Mühldorfer Rennbahn gefunden hat. Zfr. und Preisrichter Franz Lugeder wurde 1977 auf der Europaschau in Wels “Europameister“ mit weißen Pfautauben. Der zwischenzeitlich zu „Meister der Bayerischen Rassegeflügelzüchter“ und zum „Ehrenmeister des BDRG“ ernannte Walter Schlegel wurde 1979 zum 2.Vizepeäsidenten des BDRG gewählt. Als Ehrenvorsitzender des Vereins ist er heute noch Vorbild für die Geflügelzüchter. Eine kleine Krise hatte der Verein im Wahljahr 1988. Zfr. Gruber stellt sich nicht mehr als 1. Vorsitzender zur Verfügung, auch kein Nachfolger konnte gefunden werden. Nach 4 Monaten und etlichen Krisensitzung schaffte es Zfr. Siefert, daß im Mai wieder eine Vorstandschaft gewählt wurde. Eine große Lücke im GZV hinterließ im Jahr 1995 mit seinen Tod, Zfr. Eugen Hartinger, welcher sich als Vorsitzender im Kreisverband und Bezirksverband sowie als Preisrichter und langjähriger Vereins-zuchtwart seine Verdienste erwarb. Das 125-jährige Vereinsjubiläum feiert der Verein unter der Führung des derzeitigen 1.Vorstandes Anton Nömayr. Die „20. Südostbayerische Geflügel-ausstellung“ wird der Höhepunkt sein. Nicht zuletzt sollten unser langjähriger Kassier Heinrich Hartinger und Schriftführer Franz Stein in dieser Chronik Erwähnung finden, sie sind zwei tragende Säulen in unserem Verein. Mit 100 Mitglieder ist der GZV im Kreisverband der drittgrößte Verein. Er ist außerdem einer der ältesten Vereine im Landesverband und des BDRG.
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